Duisburg – 17 Tote und 40 Schwerstverletzte bei Loveparade

Nur ein neuer Höhepunkt in Duisburgs Stadtgeschichte der gipfelnden Inkompetenz!

  • Es wird ein Logport gebaut – ohne LKW-Zubringer.
  • Die Stadt wurde in den Bankrott gewirtschaftet – man macht unverblümt weiter wie immer – zu Lasten der Bevölkerung.
  • Es muss um jeden Preis die Loveparade nach Duisburg – ohne Planung und die notwendige Infrastruktur.

Der Größenwahn findet kein Ende oder eine moralische Rücksichtnahme.

Nun wird man wie schon damals bei der Eskalation der Demo die Schuld wieder der Polizei und den Rettungskräften in die Schuhe schieben.

http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/17-Tote-und-40-Schwerstverletzte-bei-Loveparade-id3278764.html

 

Katastrophe : 17 Tote und 40 Schwerstverletzte bei Loveparade

Duisburg, 24.07.2010, DerWesten

Massenpanik

Massenpanik in der Unterführung an der Karl-Lehr-Straße. Foto: Peter Malzbender

Duisburg. 17 Tote, 40 Schwerstverletzte und 80 weitere verletzte Menschen: Diese Opferzahlen gab Duisburgs Stadtsprecher Frank Kopatschek kurz nach 22 Uhr am Samstag bekannt. Oerbürgermeister Sauerland: „Es ist eine der größten Tragödien unserer Stadt“.

Bei der Loveparade in Duisburg sind am Samstagnachmittag bei einer Massenpanik 17 Menschen getötet worden. Es würden außerdem 40 Schwerstverletzte und 80 weitere verletzte Menschen behandelt, erklärte Frank Kopatschek, Sprecher der Stadt Duisburg, am späten Abend.Die Ursache für die Katastrophe sieht Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland nicht im Sicherheitskonzept oder im Handeln der Ordnungskräfte vor Ort. 15 Menschen seien offenbar gegen 17.15 Uhr am Tunnel über die Absperrung eine Mauer hoch geklettert und aus vermutlich acht bis neun Metern Höhe abgestürzt. Darauf deuteten die Berichte der Notärzte von Rückenmarksverletzungen hin: „Alle Sicherheitsvorkehrungen, die notwendig waren, sind von den Ordnungskräften eingeleitet worden. Es ist dafür gesorgt worden, dass nur die Größenordnungen in den Tunnel geleitet wurden, die der Tunnel verkraftet“, erklärte Sauerland auf einer eilig anberaumten Pressekonferenz. „Aber soweit wir das Szenario kennen, sind die Toten entstanden, weil man Sicherheitsvorkehrungen überklettert hat und dann abgestürzt ist.“

Sicherheitsdezernent: „Keine Hinweis auf Panik“

Augenzeugen der Massenpanik berichten von schrecklichen Szenen. Mehrere auf dem Videoportal Youtube publizierte Handy-Videos bestätigen die Massenpanik am Ausgang des Karl-Lehr-Tunnels. „Es waren Tausende Menschen im Tunnel. Viel zu viele auf jeden Fall. Die Leute sind reihenweise umgefallen. Und die Polizei hat von beiden Seiten immer mehr Leute in den Tunnel geschickt“, erklärt Loveparade-Besucher Mario sichtlich schockiert von den Ereignissen. „Wer umgefallen ist, wurde direkt niedergetrampelt“, ergänzt sein Begleiter Stefan. „Wir hatten alle Angst.“ Die Sanitäter seien zuerst auch nicht zu den Opfern der Massenpanik durchgekommen. „Dann ist ein Rettungswagen durch die Menge gefahren, aber dadurch wurden alle noch mehr zusammengedrängt. Alle waren total hysterisch“, erinnert sich Augenzeugin Rebecca. Eine Freundin habe noch versucht, Opfer aufzuhelfen, die auf den Boden gefallen waren.

Der Duisburger Sicherheitsdezernent Wolfgang Rabe widersprach auf der Pressekonferenz Berichten von Panik im Tunnel: „Wir haben keine Hinweise darauf, dass die Engpässe zu Panik geführt haben. Die Todesopfer haben Absperrungen überklettert.“ Die Kripo Duisburg hat die Ermittlungen am Unglücksort aufgenommen. Dazu sagte Innenminister Ralf Jäger: „Der Veranstalter hatte genug Ordnungskräfte vor Ort. Wir werden in den nächsten Tagen die Ursachen untersuchen müssen, aber Vorrang hat nun die Versorgung der Verletzten und die Betreuung der Angehörigen.“ Um die Besucher „nun sicher nach Hause zu bringen“, so Jäger, seien aus ganz NRW weitere Einsatzkräfte herangezogen worden.

Menschen liegen auf der Straße, Weinende stehen an der Unglücksstelle

Im Tunnel liegen die Leichen hinter Planen, sie sind am frühen Abend noch nicht abtransportiert. Besucher unter Schock sitzen auf dem Boden und sind in goldfarbene Rettungsfolien gehüllt – im Tunnel ist es kalt. DRK-Sprecher Rudolf Mrosek berichtet, dass es bis zum Unglück hauptsächlich die erwarteten Zwischenfälle gegeben hatte – überhitzte und stark betrunkene Besucher. In seinen Augen hatte sich die Lage schon entspannt: Kurz bevor das Unglück passierte, seien weniger Menschen in der Unterführung gewesen als noch eine Stunde zuvor. Noch gegen 19.30 Uhr wurden Verletzte in Zelte getragen. Weinende standen in der Nähe der Unterführung, Menschen lagen auf der Straße, augenscheinlich unter Schock.

Auf dem Gelände läuft die Loveparade bis in den späten Abend weiter. Nur vor dem Gelände wird den Ravern gesagt, dass sie vorbei ist und alle abreisen sollen. Die Nachricht von der Massenpanik verbreitet sich wie ein Lauffeuer unter den Besuchern. Verzweifelt versuchen Jugendliche am Hauptbahnhof ihre Freunde zu erreichen. Eltern wollen sich vergewissern, dass ihre Kinder nicht unter den Toten sind. Aber das Handy-Netz ist größtenteils zusammengebrochen.

Zugverkehr muss immer wieder unterbrochen werden

Der Zugverkehr am Duisburger Hauptbahnhof ist am Abend wieder angelaufen, muss aber immer wieder unterbrochen werden, weil Menschen auf den Gleisen unterwegs sind. „Die Bahnen fahren, soweit möglich. Allerdings nur langsam“, erklärt Jürgen Karlisch, Sprecher der Bundespolizei. Zu groß ist die Sorge von Polizei und Bahn, dass Loveparade-Besucher auf die Gleise geraten. Die Bundespolizei nimmt die Situation sehr ernst und arbeitet nach einem Notfallplan. Schließlich strömen nach der Massenpanik auf dem Veranstaltungsgelände Zehntausende Besucher zum Hauptbahnhof. 1200 Beamte sind im Einsatz, davon viele aus dem Umland.

Um die Menschenmenge vor dem Hauptbahnhof kontrollieren zu können, sind bereits Wellenbrecher aufgestellt worden. „Wir lassen immer nur eine überschaubare Anzahl an Fahrgästen in das Gebäude“, betont Karlisch. Zudem sind Buslinien bereit gestellt worden, um die Besucher an ihr Fahrtziel bringen zu können. Die Fahrzeuge wurden von Verkehrsbetrieben aus den umliegenden Städten bereitgestellt.

Die Polizei hat eine Hotline geschaltet: 0203/94 000.

4 Gedanken zu „Duisburg – 17 Tote und 40 Schwerstverletzte bei Loveparade

  1. Mr. Nillson

    Als Duisburger habe ich genaue Ortskenntnisse von der Location. Bei einer Fahrt über die A 59 am Vortag, konnte man schon mit Blick auf das Gelände vorhersehen was bevorstand und letztendlich auch passiert ist. Gegen 15 Uhr waren wir mit unserer Gruppe am Gelben Bogen ( Ort des Unglück ) an der Ecke Düsseldorfer Strasse. Bereits da stauten sich die Menschenmengen. Zum Glück haben wir den Weg dann durch die Parkanlagen in Richtung Steinsche Gasse genommen.
    Das nicht noch mehr passiert ist grenzt schon fast an ein Wunder. Einer der Ursachen dürfte sein, die Besucherströme die vom Hauptbahnhof auf das Veranstaltungsgelände wollten, durch die halbe Stadt über die Düsseldorfer Strasse und Kommandantenstrasse umzuleiten in Richtung Gelber Bogen, dem Eingang für die Besucher. Warum am Kreisverkehr HBF einer der beiden Presseeingänge eingerichtet wurde (hier kein Zugang für die Besucher) dürfte eine der Fragen sein die man den Veranstaltern stellen dürfte. Auch Wellenbrecher hab ich zumindest keine gesehen. Absoluter Wahnsinn von vornherein. Aber immerhin leistet man sich für ein paar Dutzend Journalisten den Luxus von 2 Eingängen, während die erwarteten mehr als 1 Mill. Besucher über einen Pfad rein-und rausgeleitet werden.

    Vor kurzem hab ich in einer Radiosendung noch einen redaktionellen Beitrag gehört wie man solche Massenevents sicherer macht. Beispielhaft wurde das Unglück auf dem Roskilde Festival Am 30. Juni 2000 genannt. Sogenannte Wellenbrecher konnte ich von der A59 aus auf dem Gelände nicht sehen. Die Veranstalter und die Stadt Duisburg darf man fragen welche Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden sind, oder ob wegen Finanzierungsproblemen der Loveparade 2010, die sich schon im Vorfeld abzeichneten, an den Sicherheitsvorkehrungen gespart wurde. Wer auf der Friedrich-Wilhelm Strasse die Menschenmenge gesehen hat wird wohl zustimmen das gleiche hätte dort auch passieren können. Auch hier – keine Wellenbrecher weit und breit zu sehen. Alles ein Wahnsinn.

    Nachträglich noch etwas zum Still-Leben auf der A40 an dem vorherigen Sonntag.
    Jeder der dabei war könnte eigentlich bei genauer Betrachtung bestätigen das man von Glück sagen kann das dieses Unglück sich nicht hier schon in ähnlicher Weise abgespielt hat. Vor allem im Stadtbereich Essen. Ein Irrsinn solche Menschenmassen in solche Katakomben einzupferchen. Ganz zu Schweigen vom dem Chaos welches verursacht war durch die unregulierten Besucherströme die sich gegenseitig behinderten, die einen beim drauffahren, die anderen beim herunterfahren. Dazu noch rücksichtslose, alkoholisierte Fahrradfahrer, weil wie im Ruhrpott üblich, kein Fest ohne Alkohol. Mit Bier konnte man sich ja unterwegs an den Versorgungsstationen reichlich eindecken.

    Nachträglich bleibt noch anzumerken, wenn die Stadt Duisburg ihr Sicherheitskonzept verteidigt und angibt das die Toten allesamt Sicherheitsabsperrungen überwunden haben, dürfte damit doch ersichtlich sein das die Sicherheitskonzepte wohl doch nicht so gut durchdacht war, beziehungsweise wie auf Spiegel Online nachzulesen ist aus Kostengründen eingeschränkt wurden. Hier der Link

  2. Walter Thommen

    Unglaublich, dass auf so einem Gelände, – sprich so einer
    „Mausefalle“ bezw. beengten Platzverhältnissen und Situation
    eine derartige Veranstaltung bewilligt wurde. Dieses Verhalten
    kann nur als Verbrechen der Hauptverantwortlichen taxiert werden.
    Jeder Sicherheits- und Feuerwehrexperte in der Schweiz hätte
    diese Veranstaltung strikt abgelehnt und verboten.
    Sicherheit steht über der Profilierungssucht der Politiker.
    Leider kann man nur noch aus tiefstem Herzen Anteilnahme am
    Leid der Betroffenen äussern. Hoffen wir, dass eine solche
    Tragödie sich nicht wiederholt.

  3. Mr. Nillson

    Dazu kommen noch die Lügen mit der die Opfer und deren Angehörigen verhöhnt werden, sowie die Berichterstattung eines Boulevard Blatt, wo Fotografien von Menschen im Todeskampf gezeigt werden. Manche scheinen auch keine Hemmungen zu haben den Tod so vieler Menschen nachträglich für ein „gutes Geschäft“ auszunutzen. Unglaublich alles.

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